Hinterachsendimensionierung
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Um irgendwann in meinem GT, das volle Hubraum-Potential des
Rovermotors (über 5 Liter sind möglich) auch umsetzen zu
können, hat mich die Frage der Belastungsfähigkeit der
Opel-Hinterachsen schon immer interessiert. Daß die
Opel-Hinterachsen einen nicht besonders guten Ruf bezüglich
ihrer Haltbarkeit haben, ist mir bekannt. Ich weiß leider
nicht, welcher Bereich stärker betroffen ist. Ist der Bereich
Teller-/Kegelrad anfälliger als das eigentliche
Ausgleichsgetriebe?
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Grundsätzlich bin ich einmal stark vereinfacht davon
ausgegangen, daß die Belastbarkeit des Hinterachsgetriebes im
Wesentlichen über zwei konstruktive Faktoren ausgelegt werden
kann:
Zum einen über die Dimensionierung und zum anderen durch die
Qualität des Materials der Getriebeinnenteile.
Die Möglichkeiten als Normalsterblicher an Datenmaterial
bezüglich Materialqualität, Fertigungstoleranzen, usw. zu
gelangen, auf deren Grundlage Vergleiche mit anderen Achsen
möglich wären, sind sehr begrenzt.
Bei der Dimensionierung sieht es schon anders aus. Ich meine z.B. den
Tellerraddurchmesser sowie den Kegelradversatz, der wiederum den
möglichen Kegelraddurchmesser bestimmt.
Hier bietet sich ein Vergleich mit anderen, in der Praxis wesentlich
haltbareren Hinterachsgetrieben, wie zum Beispiel der als
"unkaputtbar" (auch bei 1000 Nm Antriebsdrehmoment) geltenden Ford
9-Zoll, an.
Tellerraddurchmessser Kegelradversatz Opel CIH 172 mm 32 mm Ford 9-Zoll 228,6 mm ? Chevy 7,5 Zoll, 10-Bolt* 190,5 mm ? Jaguar 225 mm ca. 60 mm Opel Jaguar 3,44 (31/9) 3,54 (43/13) 3,70 (37/10) 3,76 (49/13)
*Das 10-Bolt bezieht
sich auf die Anzahl der Befestigungsbolzen des Differential-Deckels.
Befestigungsbolzen und Tellerraddurchmesser sind bei den Amis die
populärsten Identifikationsmerkmale der verschiedenen
Hinterachsen.
(identisch zu Diplomat, nur V8)
Was auch auffällt ist, das
die anderen Achsen ähnliche Übersetzungsverhältnisse
mit Teller-Kegelrad-Paarungen realisieren, die aber über mehr
"Zähne" verfügen. Z. B.:
Durch Nutzfahrzeuge inspiriert, ging eine andere Überlegung von
mir in die Richtung, daß unabhängig des vom Antriebsmotors
abgegebenen Drehmomentes auch das Fahrzeuggewicht bei der Auslegung
des Achsantriebes, in bezug auf Belastbarkeit, eine Rolle spielen
muß.
Theoretisch würde es bedeuten,
daß bei Verwendung einer Como-Achse für den leichteren GT
noch zusätzlich Reserven vorhanden sein müßten.
Auch wenn der Gewinn nur marginal sein dürfte, würde ich
gerne wissen, wie sich der Sachverhalt rechnerisch darstellt.
Das schwächste Glied bei der Opel Deichsel-Achse ist, bei
entsprechendem Drehmoment, die zentrale Antriebswelle im
Deichselrohr. Die Seitenwellen (Steckachsen) sind im Vergleich dazu
und mit denen anderer Achsen im Durchmesser sehr großzügig
dimensioniert.
Es werden sogenannte "verstärkte" zentrale Antriebswellen
angeboten.
Um das originale Mittellager in der Aufhängung des D-Rohrs
weiter verwenden zu können, sind diese vom Durchmesser aber
original und somit nur über die Qualität verstärkt.
Über die zentrale Welle hat sich Bob Legere bei eGroups (OANA)
in den letzten Tagen auch geäußert.
Das vielleicht anschaulichste Beispiel bezüglich Antriebswelle
von dem ich berichten kann, lieferte ein Kadett C mit Lotus Omega
Motor, der vor einigen Jahren in Winsen-Luhe lief. Anfangs noch mit
Deichselachse bei der drei oder vier dieser Wellen abscherten. Dann
Umbau auf Fünflenker mit gekürztem Comogehäuse
(Achsrohre). Durch den Umbau
verschwanden auch die bekannten Vibrationen im
Geschwindigkeitsbereich 120-130 km/h. Diese
ließen sich vorher auch durch Verändern der Beugewinkel an
der Kardanwelle, durch Heben und Absenken des Getriebes, nicht
beseitigen. Bei entsprechender Kürzung des Achsgehäuses
wäre die Verwendung von Ascona/Manta A, Kadett C oder GT
Steckachsen möglich gewesen. Weil es aber unbedingt
Fünfloch-Radbefestigung sein sollte, waren die Steckachsen das
größte Problem bei dem Umbau. Versuche
mit, auf den leicht abgedrehten Steckachsen aufgeschobenen und
verschweißten Rohren (gezogenes Prezi-Rohr), scherten immer an
den Schweißnähten ab. Auch Versuche mit " lochgepunkteten"
Rohren schlugen fehl. Erst die Methode mit dem Aufschrumpfen
führte zum Erfolg. Radlagerwechsel
erfordert natürlich jedes mal neue Welle bauen. Über 20 000
km hat die Achse Lotus-Drehmoment im Kadett verdaut. Die Achse
läuft noch heute in einem anderen Auto.
In wie weit ist das Innenleben einer Fünflenker-Achse
stärker dimensioniert? Wenn man sich die
Übersetzungsverhältnise betrachtet, scheint es auf den
ersten Blick bei der Fünflenkerachse eine Vier- und eine
Sechzylinderversion zu geben (Rekord/Commodore). Typische
Vierzylinderübersetzungen (in Klammern Sechzylinder): 3,18
(3,15), 3,44 (3,45). Um für Vergleiche nicht gleich lebende
Objekte sezieren zu müssen, habe ich hierzu erst einmal Opel
Microfilme analysiert. Ich habe die Schräglenkerachse vom
Monza/Senator auch berücksichtigt und grob in drei Gruppen
aufgeteilt:
Deichselachen: nur CIH Vierzylinder ohne OHV
GT/Kadett/Ascona/Manta
Fünflenker: Vier/Sechzylinder Rekord/Comodore
Schräglenker: Vier/Sechzylinder Monza/Senator/Omega
Das Innenleben der "Deichsel" und der
"Vierzylinder-Fünflenkerachse" ist fast identisch.
Bei der " Sechzylinderversion" ist das
Tellerrad mit M12 anstatt M10 Bolzen am Differentialkorb
befestigt. Auch die große
Spannmutter des Kegelrades ist bei den "Vier- und
Sechzylinderausführungen" unterschiedlich dimensioniert.
Ansonsten läßt sich der Rest
frei miteinander kombinieren, auch die ET-Nummern in den Opel-Fischen
für die meisten Teile der unterschiedlichen Achsen sind
identisch. Ein Sonderfall ist die Straßenversion des
Manta/Ascona 400. Die Übersetzung 3,18 läßt auf die
"Vierzylinderfamilie" schließen, aber von der Befestitigung her
mit M12 eigentlich mehr "Sechszylinder". Auch
beim E-Rekord gibt es Ausnahmen in Richtung "Sechszylinder" bei
Dieselmotoren und bei den Kombiversionen, die durch die
größeren Beugewinkel in der Kardanwelle stärker
belastet werden. Hier gibt es auch noch eine 3,27. Die fast
uneingeschränkte Kompatibilität zwischen den Baureihen gilt
bedingt auch für die Senator/Monza Differentiale.
Tellerraddurchmesser und Kegelradversatz
sind wie gewohnt. Teller und Kegelrad entspricht der
"Sechszylinderversion" der Fünflenkerachse. Auch die Lager, in
denen der Differentialkorb aufgehängt ist, sind
identisch. Bei den Starrachsen
werden sie manchmal auch als die "inneren Radlager"
bezeichnet. Die Lagerblöcke
bei Senator&Monza, in denen diese Lager laufen, sind allerdings
im Vergleich zu denen der Starrachsen anders dimensioniert. Der
vertikale Befestigungsabstand zum Achsgehäuse ist von 88mm auf
das Maß von 90mm vergrößert worden (Jaguar 103mm).
Ebenfalls vergrößert ist der horizontale Abstand zwischen
den beiden Lagerblöcken von 143mm auf 152mm. Entsprechend
ist auch der Differentialkorb 9 mm breiter, wodurch die Verwendung
eines Monza/Senator-Korbes in der Starrachse nicht möglich ist.
Außerdem ist die Verzahnung für die Seitenwellen anders
ausgeführt.
Inwieweit sich das auch auf das Omega-Diff übertragen
läßt, kann ich nicht genau sagen, aber die gleichen
Übersetzungsverhältnisse (3,45, 3,70), sowie viele
identische Teilenummern in den Fischen lassen darauf
schließen. Interessant
wäre auch ein Erzatzteilvergleich zum Lotus Omega (3,15), aber
leider wird das Lotus-HA-Getriebe in den Fischen nur komplett und
nicht in Einzelteilen aufgeführt. Das wären jetzt grob
zusammengefaßt meine "Forschungsergebnisse" zu diesem
Thema. Für die Omega-Achse
gibts zur besseren Kühlung auch verrippte Deckel.